Daten
Artikel: Daten
Der Begriff der Daten hat sich in den letzten Jahrzehnten zu einer zentralen Kategorie wissenschaftlicher und gesellschaftlicher Diskurse entwickelt. In den Digital Humanities, den Informationswissenschaften und der Informatik ebenso wie in den Natur- und Sozialwissenschaften und auch in der Philosophie fungieren Daten als grundlegende Ressource für Analyse, Modellierung und Erkenntnisgewinn. Zugleich ist der Datenbegriff keineswegs eindeutig: Seine Bedeutung, Verwendung und theoretische Einordnung haben sich historisch verändert und unterscheiden sich je nach disziplinärem Kontext. Dieser Artikel bietet einen Überblick über zentrale Stationen der Begriffs- und Ideengeschichte von „Daten“ sowie über wichtige philosophische Diskussionen zu ihrem epistemischen Status, ihrer Rolle in wissenschaftlichen Praktiken und ihrer Beziehung zu Information, Evidenz und Wissen.
"Daten" in Online-Quellen
WikiData ("data"): https://www.wikidata.org/wiki/Q42848
Wikidata ("research data"): https://www.wikidata.org/wiki/Q15809982
Wikipedia ("Daten"): https://de.wikipedia.org/wiki/Daten
"Daten" in philosophischen Wörterbüchern und Lexika
deutschsprachig
Mittelstraß et al.: Enzyklopädie Philosophie und Wissenschaftstheorie: "Sinnesdaten"
englischsprachig
Craig et al.: Routledge encyclopedia of philosophy: "sense data"
Stanford Encyclopedia of Philosophy (SEP): "sense data"
Internet encyclopedia of philosophy (IEP): "sense data"
Überblicksartikel
Schröter, Christian (2024): "Daten", in: Florian Arnold, Johannes C. Bernhardt, Daniel Martin Feige und Christian Schröter (Hrsg.): Digitalität von A bis Z
Geiger, Jonathan D. (2025): "Grundbegriffe und Grundmomente: Daten", in: Jörg Noller, Karoline Reinhardt (Hrsg.): Handbuch Philosophie der Digitalität. J.B. Metzler, Berlin, Heidelberg. https://doi.org/10.1007/978-3-662-70086-0_17-1
Geiger, Jonathan D. (2023): "Daten / Forschungsdaten", in: AG Digital Humanities Theorie des Verbandes Digital Humanities im deutschsprachigen Raum e. V. (Hrsg.): Begriffe der Digital Humanities. Ein diskursives Glossar (= Zeitschrift für digitale Geisteswissenschaften / Working Papers, 2). Wolfenbüttel. Version 2.0 vom 14.03.2024. HTML / XML / PDF. DOI: 10.17175/wp_2023_003_v2
Datenbegriff in wissenschaftlichen Beiträgen
Luciano Floridi: "Philosophy of Information" ("Daten")
von Jonathan D. Geiger
In seiner „Philosophy of Information“ führt Luciano Floridi für die Fundierung seines Informationsbegriffs die „general definition of information“ an: information = data + meaning (vgl. Floridi 2011, 83). Diese wird noch ausgeweitet (Informationen sind bedeutungsvolle („meaningful“), wohlgeformte („well-formed“) Daten) und noch differenzierter über Mängel an Uniformität („lack of uniformity“) auf drei verschiedenen Ebenen betrachtet:
"1 Data as diaphora de re, that is, as lack of uniformity in the real world out there. There is no specific name for such ‚data in the wild‘. A possible suggestion is to refer to them as dedomena (‚data‘ in Greek; note that our word ‚data‘ comes from the Latin translation of a work by Euclid entitled Dedomena). (…) They are pure data or proto-epistemic data, that is, data before they are epistemically interpreted. (…) 2 Data as diaphora de signo, that is, lack of uniformity between (the perception of) at least two signals, such as a higher or lower charge in a battery, a variable electrical signal in a telephone conversation, or the dot and the line in the Morse alphabet. 3 Data as diaphor de dicto, that is, lack of uniformity between two symbols, for example the letters A and B in the Latin alphabet." (Floridi 2011, 84f) [Hervorhebungen im Original]
Floridis „dedomena“ auf der Ebene de re erinnert an Moores und Russells Sinnesdaten, wohingegen auf der Ebene de signo Anschluss an die technische Informationstheorie von Shannon (vgl. Shannon 1948) hergestellt wird und auf der Ebene de dicto an semiotische Zeichen- und Symboltheorien. Floridi versucht damit den Datenbegriff als Bindeglied zwischen einer den Daten jenseitigen Sphäre, einer (elektro-)technischen Sphäre und einer abstrakt-symbolischen Sphäre zu etablieren.